Bevorteilung im Verkehr

Die taz berichtet über das geplante Fahrrad-Volksbegehren in Berlin und die politischen Diskussionen darum. Der Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel ist wohl der Meinung, dass eine Förderung des Radverkehrs zu einer Bevorteilung des Radverkehrs führen würde. Ich frage mich, in welcher Realitiät er lebt? Ob er den Verkehr und den städtischen Raum überhaupt wahrnimmt? Wenn er mit offenen Augen durch die Stadt ginge oder radelte, würde ihm auffallen, wie sehr diese auf den Autoverkehr ausgerichtet ist. Wie sehr das Auto bevorteilt wird. Durch die Gestaltung der Verkehrsflächen, durch Verkehrslenkung, durch die StVO und durch das Verhalten von Autofahrenden und Polizei. Wollte Geisel wirklich die Bevorteilung eines Verkehrsmittels verhindern, müsste er vieles verändern. Vor allem müsste er Radfahhrende, Zufußgehende und Nutzende des ÖPNV fördern und fördern, bis sie die gleichen Rechte und den gleichen Zugang zu Ressourcen wie Autofahrende haben.

Die taz zitiert hierzu den Linken-Verkehrsexperten Harald Wolf:

er kontert den SPD-Vorwurf, das Volksbegehren bediene Partikularinteressen: 18-mal mehr Platz würden Autos beanspruchen, dabei hätten Auto- und Radverkehr einen ungefähr gleich großen Anteil an den zurückgelegten Wegen in der Innenstadt.

Da ist noch einiges zu tun, um die Bevorteilung abzubauen.


Hühnerbraterei

Am Lausitzer Platz gibt es eine Hühnerbraterei, die sehr sehr beliebt ist. Ganz viele kommen mit ihren Autos angefahren. Und müssen das natürlich abstellen. Und das muss schnell gehen. Wenn eine Parklücke frei ist, dann wird die zugeparkt.

Am Lausitzer Platz stellt sich ein Auto in den Kreuzungsbereich mitten auf Fuß- und Radweg.

Am Lausitzer Platz stellt sich ein Auto in den Kreuzungsbereich mitten auf Fuß- und Radweg.

Da ist dann auch egal, dass mit einem Auto (warum braucht mensch ein solch Riesengefährt eigentlich in der Stadt) ein vielbenutzer Fuß- und Radweg blockiert wird. Es ist auch egal, dass die Sicht auf die Kreuzung versperrt wird.

Vor der Hühnerbraterei kommen die parkenden und Parkplatzsuchenden Autos aber nicht nur ZuFußGehenden und Radfahrenden in den Weg. Sie blockieren sich auch gegenseitig.

Am Lausitzer Platz vor der Hühnerbraterei ist alles voll geparkt.

Am Lausitzer Platz vor der Hühnerbraterei ist alles voll geparkt.

Vor der Hühnerbraterei ist fast immer alles zugeparkt. Und meist mit dicken Autos. Eis essend konnte ich gestern nachmittag beobachten, dass damit die Straße blockiert ist. Denn die ist gerade mal zweispurig. Eine Spur wird von den Parkenden eingenommen. So können sich entgegegen kommende Autos nicht ausweichen. Während eines Eises habe ich viele Blockaden beobachten können. Die Radfahrenden und Fußgänger_innen haben veruscht sich durchzuschlägeln und wurden dabei dann durchaus mal von rasant rückwärtsfahrenden Autos gefährdet.


Radspuren frei!

Radweg wird auf der Wiener Strasse (gegenüber des Görlitzer Bahnhofs) auf die Straße geführt. Dort parken meist Autos.

Radweg wird auf der Wiener Strasse (gegenüber des Görlitzer Bahnhofs) auf die Straße geführt. Dort parken meist Autos.

Die taz berichtet von der Aktion Radspuren frei! von ADFC und BUND:

Das Problem der Fahrradlobbyisten: Die von ihnen empfohlenen Radspuren sind eigentlich sicherer als hinter parkenden Autos versteckte Radwege. Nur machen Falschparker den Vorteil zunichte. „Es entstehen ständig gefährliche Situationen“, sagt BUNDler Tilo Schütz. „Viele Eltern lassen ihre Kinder deshalb nicht auf der Radspur zur Schule fahren.“

Deshalb werden nun Verstöße auf einer Website gesammelt: Jeder kann Falschparker verpfeifen und passende Fotos hochladen. Bevor die Ergebnisse an die Politik gehen, werden die Nummernschilder unkenntlich gemacht, erklärt Martin Schlegel, BUND-Referent für Verkehrspolitik: „Wir wollen keine konkreten Fahrer denunzieren, sondern das Problembewusstsein schärfen.“


§ 35 StVO

Ich fotographiere immer mal wieder motorisierte Fahrzeuge, die Fußwege, Radwege und/oder Straßenquerungen blockieren. So auch letzte Woche dieses Alba-Fahrzeug, dass am Spreewaldplatz auf dem Radweg stand:

alba

Schon beim Fotographieren merkte ich, dass sich jemand im Wagen bewegte. Als ich dann auf der anderen Straßenseite ankam, wurde ich von dem Fahrer des Wagens angesprochen, ob ich ihn fotographiert hätte und ob er erkennbar sei. Er wollte, dass ich das Foto lösche. Und wollte wissen, warum ich fotograpiert hätte. Auf meinen Hinweis, dass das Fahrzeug auf dem Radweg stände, antwortete er, dass er nach § 35 StVO überall parken dürfte. Das konnte ich mir schlecht vorstellen. Auf dem Radweg Pause machen ist sicher nicht in der StVO erlaubt.

Das Internet hilft weiter die §35 StVO sagt aus:

(6) Fahrzeuge, die […] der Müllabfuhr dienen und durch weiß-rot-weiße Warneinrichtungen gekennzeichnet sind, dürfen auf allen Straßen und Straßenteilen und auf jeder Straßenseite in jeder Richtung zu allen Zeiten fahren und halten, soweit ihr Einsatz dies erfordert, zur Reinigung der Gehwege jedoch nur, wenn die zulässige Gesamtmasse bis zu 2,8 t beträgt. Dasselbe gilt auch für Fahrzeuge zur Reinigung der Gehwege, deren zulässige Gesamtmasse 3,5 t nicht übersteigt und deren Reifeninnendruck nicht mehr als 3,00 bar beträgt. Dabei ist sicherzustellen, dass keine Beschädigung der Gehwege und der darunter liegenden Versorgungsleitungen erfolgen kann. […]

Von Radwegen ist in dem Absatz keine Rede. Ich vermute, ein Radweg auf dem Fußweg ist kein Straßenteil. Möglicherweise ist er Teil des Gehwegs, das Alba-Fahrzeug hat den Gehweg nicht geputzt (und mag sogar zu schwer für den Gehweg sein). Aber selbst wenn die Müllabfuhr unter Umständen auf Radwegen stehen dürfte, Pausemachen ist sicher nicht eine Erfordernis des Einsatzes, die das Radwegparken erlaubt.

Zu Fragen bleibt jetzt nur, warum der Fahrer sich all die Mühe gemacht hat, mir über die Straße zu folgen, sein Recht am Bild einzufordern und mich zu belehren.


Ein Schiff wird kommen

und vor unserem Balkon vor Anker gehen. Oder vielleicht nicht vor Anker. Denn so viel Wasser ist nun doch nicht auf der Strasse. Und das schicke Holzschiff steht auf einem Anhänger. Das Schiff ist lang. Der Anhänger noch länger. Und damit hinten die Autos nicht reinfahren, muss der Anhänger halt den halben Fußweg versperren.

schiff

Irgendwo muss das Schiff ja stehen. Das muss mensch schon verstehen. Und nicht so kleinlich sein.


Radwegsparken

LKW parkt auf Radweg.

LKW parkt auf Radweg.


Kreuzungsparken

polar