Öffentlichen Verkehr fördern

Im tagesschau.de-Interview sagt Verkehrsberaterin Maria Leenen:

In der Schweiz oder Großbritannien sind die öffentlichen Zuwendungen pro Personenkilometer mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Ich sehe daher auch die Politik in der Pflicht, ihre Bahn finanziell besser auszustatten. In der Ära Ramsauer wurde die verkehrspolitische Priorität auf Investitionen in die Straße gelegt. Dabei ist die Bahn und ihre Infrastruktur zu kurz gekommen. Auf der anderen Seite kann Ramsauer aber auch nicht mehr Geld ausgeben, als er über die Haushaltsbeschlüsse des Bundestages genehmigt bekommt. So trägt die parlamentarische Mehrheit im Parlament auch eine Verantwortung für den Kostendruck bei der Bahn, nicht allein Herr Grube, der zu spät auf Neueinstellungen gesetzt hat.

Das gilt wahrscheinlich auch für den kommunalen öffentlichen Verkehr, der mehr Förderung (auch durch den Bund) braucht. WDR berichtet: Kein Geld für Instandhaltungen.


Unsinnige Großprojekte

busbahnhof

Der zentrale Busbahnhof in Tel Aviv ist keine besondere Schönheit. Ein Betonkoloss, der stark an die 1970er erinnert. Er ist allerdings auch nicht besonders übersichtlich, sich in ihm auf den vielen Etagen zurecht zu finden braucht einigen Orientierugnssinn (wie auch im Berliner Hauptbahnhof). So war mir auch geraten worden, lieber das Sammeltaxi zu nehmen, das vor dem Busbahnhof einfach zu finden ist. Hinter dieser Unübersichtlichkeit und mangelnden Ausrichtung an den Bedürfnissen der Reisenden scheint aber noch mehr zu stecken.

Auf einem Seminar hatten wir die Klage gehört, dass durch die Verlegung des Busbahnhofs in diese Gegend, Probleme hierhin gebracht worden seien. Von einer Bekannten wurden wir dann durch den Süden Tel Avivs geführt und erfuhren auch einiges über den Busbahnhof.

Die Planungen stammten wohl aus den 1970ern oder so. Architektonisch gab es durchaus auch nette Überleggungen, so sollte es Lichtschächte mit Tageslicht geben.

lichtschacht

Da die Reinigung des Daches wohl aber zu aufwändig gewesen sei, wurde der Lichtschacht mit Wellblech verschlossen. Im Inneren des Busbahnhofes gibt es viele Geschäfte, Theater, Kinos und ein reges soziales Leben (vorallem von Migrant_innen) – allerdings ist es nicht so leicht, sich als Reisende zurecht zu finden. Und in die unteren Etagen ist nie ein Bus gefahren, die Zufahrt ist von Anfang an versperrt.

zufahrt

Es wurden zwar auch Geschäfte in den unteren Etagen verkauft, aber es fand nie Geschäftsbetrieb statt und die Etagen werden nicht genutzt.

leerstand

Der zentrale Busbahnhof wird also nur zum kleinen Teil genutzt, hat soziale Probleme in die Umgebung gebracht und ist auch nicht zentraler als der alte zentrale Busbahnhof. Und das Gelände des alten Busbahnhofs steht seit dem Umzug leer.

alterbusbahnhof

Wenn ich die Erzählungen also einigermassen richtig verstanden haben und diese halbwegs auf Tatsachen beruhen, dann stellt sich die Frage, wieso musste der neue zentrale Busbahnhof gebaut werden. Am Bau werden sicher einige verdient haben, ansonsten scheint er wenig Sinn zu machen.


BVG propagiert Gefährdung von Radfahrenden

Ein „schönes“ Beispiel, wie in Berlin mit Konflikten um den begrenzten Platz auf den Fahrbahnen umgegangen wird, lieferten in diesem Jahr die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in ihrem Fahrgast-Monatsheft „BVG plus“, das mir heute erneut in die Hände fiel (02/2012 – Download als 9-MB-pdf-Datei hier: http://www.bvg.de/index.php/de/binaries/asset/download/1026910/file/1-1).
Dort heiß es auf Seite 16f.  in einem Artikel über Radfahrer_innen und Busse auf Busspuren: „Solange ein Radfahrer möglichst weit rechts [auf der Busspur – motorlos]  fährt, sobald sich der Bus nähert und dabei die parkenden Autos im Blick behält, ist er auf der sicheren Seite.“ Das heißt faktisch nichts anderes, als daß sich Radfahrer_innen auf einer Busspur von Bussen ohne ausreichenden Sicherheitsabstand überholen lassen sollen – dies wird als regelkonformes Verhalten dargestellt! Radfahrer_innen, die sich nicht an den Rand drängen lassen, werden mit einem: „[S]o nicht: Wer links fährt, macht den nachfolgenden Bussen das Leben schwer und gefährdet sich selber.“ zurechtgewiesen. Daß mit solchen Handlungsanweisungen leichtfertig die Gesundheit von Radfahrer_inne_n aufs Spiel gesetzt wird, scheint dem Autor (und der BVG) egal zu sein. Daß der Mindestabstand beim Überholen eines Radfahrenden 1,50 Meter beträgt, wird zwar erwähnt, doch gleich anschließend eingeschränkt:

Wenn ein ausgewachsener Bus, mit 2,50 Meter Breite über eine 3 Meter breite Busspur rollt, ist nicht mehr viel Platz für die Radler. Es ist eng und kommt dadurch mitunter zu Konflikten.

Schuld an den Konflikten wäre gemäß der BVG-Logik natürlich der/die Radfahrend, wenn er/sie sich nicht BVG-gemäß überholen läßt, nicht der Bus, der den Mindestabstand nicht einhält.

Das wirft doch die Frage auf, was passiert, wenn ein Bus ein Taxi überholen will, das auf der Busspur fährt oder gar hält (um z.B. Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen). Wird der/die Busfahrer_in auf der 3 Meter breiten Busspur überholen? Wird die BVG den/die Taxifahrer_in darauf hinweisen, möglichst am rechten Rand zu fahren, damit dieser Überholvorgang möglich ist? Wohl kaum. Entweder wird der Bus hinter dem Taxi bleiben oder – so es die Verkehrssituation erlaubt – ausscheren und auf der links angrenzenden Spur überholen. Warum also sollte dies bei Radfahrer_innen anders vonstatten gehen? Weil Taxis größere Kratzer im Buslack hinterlassen?


Melkkühe?

Die taz meldet in einer Kurzmeldung, dass während die Kosten rund ums Auto zwischen 2002 und 2012 um 30% stiegen, im gleichen Zeitraum Bahnfahrkarten um 38% teurer wurden und ÖPNV-Preise um 42%. So viel zur Mähr, dass die armen Autofahrer* die Melkkühe der Nation seien.

*Bewusste Benutzung ausschliesslich der männlichen Form. Auto und Maskulinität scheint mir eng zusammenzuhängen.


Die Tram fährt nicht

Vor ein paar Tagen war ich mit dem Rad in Mitte unterwegs. Ich fuhr am Pergamonmuseum entlang und wunderte mich, warum eine Tram in der Kreuzung stand und sich nicht bewegte. Erst dachte ich, dass es einen Unfall gegeben hätte, aber dafür war die Situation viel zu ruhig. Als ich um die Ecke kam, sah ich dann den Grund, warum die Tram ruhig stand, der Fahrer vesperte und die Fahrgäste sich in Geduld üben mussten.

Zwangshalt für die Straßenbahn

Da hatte jemensch seinen viel zu großen Wagen zu nah an die Gleise geparkt und war nicht in der Nähe des Wagens. Unverschämtheit mit großer Folge: Weil eine Person nicht ordentlich parken kann, kommen nicht nur die Fahrgäste einer Tram zu spät, es kommt auch der ganze Fahrplan durcheinander.


Aus Indien

auf dem Blog von suedasien.info über Autos Autos (Unfälle Unfälle) und die wunderbare Metro in Delhi.

Nachtrag 01.04.12: Und heute mal wieder über den katastrophalen motorisierten Verkehr.

Nachtrag 04.04.12: Über das Zugfahren in Indien.


Gefährliche Autofahrende

Die taz berlin berichtet in den Kurzmeldungen:

Eine 52-jährige Frau ist in Lichtenberg durch das scharfe Abbremsen einer Straßenbahn lebensgefährlich verletzt worden. Sie erlitt schwere Kopfverletzungen und musste notoperiert werden, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Der Straßenbahnfahrer hatte abrupt bremsen müssen, weil ein Autofahrer vor ihm kurz auf den Schienen hielt. Durch den Ruck fiel die Frau