Führerschein? Hab ich nicht nötig.

Die Zahl jungen Menschen, die eine Fahrerlaubnis erwerben, sinkt stetig. Wie die taz berichtet, ist

[i]m Vergleich zu 2007 […] die Zahl der männlichen Führerscheinprüflinge bis 24 Jahre im Jahr 2010 um elf Prozent gesunken. Bei den gleichaltrigen Frauen gab es einen Rückgang von zehn Prozent.

Insgesamt sank die Rate der Führerscheinanwärter_innen bis 26 Jahre  zwischen 2000 und 2008 von 90,5 auf 75,5 Prozent. Gerade für junge Städter_innen verliere das Auto zunehmend seinen Ruf als Statussymbol an Smartphones, Tablet-PCs und exklusive Fahrräder – darunter auch Pedelecs. Zweiräder mit und ohne Elektro-(Zusatz-)Motor in Kombination mit Bus und Bahn (und bei denen, die die Fahrerlaubnis besitzen auch Carsharing) prägen ihre Mobilitätskonzepte. Selbst wenn viele von ihnen – wie der Verkehrswissenschaftler Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin in der taz einschränkt – später doch noch einen Führerschein machen, haben sie immerhin eine Mobilität ohne (eigenes) Auto bewußt gewählt und kennengelernt – und es kann erwartet werden, daß sie auch weiterhin so oft wie möglich auf diese Erfahrungen zurückgreifen.


„Wem gehört die Straße?“

… fragt das berlinweit kostenlos verteilte Anzeigenblatt „Berliner Woche“ in seiner aktuellen Ausgabe (in dieser pdf-Datei auf Seite 6 bzw. auf der Print-Seite 11). Der Autor bezieht dabei eindeutig Position – gegen Radfahrer und für Fahrradkennzeichnung, Helmpflicht und ähnliche Sperenzchen. Seine Argumentation ist teilweise haarsträubend:

Kein Verkehrsmittel hat so viele technische Mängel wie Fahrräder, keines wird häufiger gestohlen – und keines ist so folgenschwer in Unfälle verwickelt. 6200 Rad-Unfälle wurden im vergangenen Jahr in Berlin registriert. Da sind zwar rund zwölf Prozent weniger als 2009, doch unter den 44 Verkehrstoten waren mehr Radfahrer als Autoinsassen. […] Radfahren, sagen viele Skeptiker angesichts solcher Zahlen, müsse man nicht unbedingt im Großstadtverkehr. Hauptunfallursache sind Fehler beim Abbiegen. Selbst dann, wenn Radfahrer auf separaten Radspuren unterwegs sind.

Und so weiter und so fort. Fassen wir kurz zusammen: Weil Radfahrende sogar auf Radspuren (von AUTOFAHRENDEN) übersehen werden, sollten Radler_innen besser gar nicht in der Stadt fahren. Sollen sie doch in ihrer Freizeit durch die blühende Natur fahren, für etwas anderes ist das Rad ja eh nicht zu gebrauche. Da wird es dann vielleicht auch nicht gestohlen.

Doch auch Radspuren sind pfui-bäh:

Zwischen Walter-Schreiber-Platz wurde in beiden Richtungen die rechte Fahrspur zum Radweg. Seitdem herrscht in Spitzenzeiten Chaos. Solche Maßnahmen, klagt das motorisierte Lager, sorgten für zusätzliche Staus im Berufsverkehr.

Was wohl passieren würde, wenn die geschmähten Radler_innen alle ihren Drahtesel stehenlassen und statt dessen ins Auto (durchschnittliche Auslastung natürlich 1,4 Personen pro Fahrzeug) steigen würde? Dann würden Stau und zähfließender Verkehr natürlich wie von Zauberhand verschwinden. Klarer Fall.

E-Bikes und Pedelecs knöpft sich der Autor auch noch einmal vor.

Mühelos und geräuscharm fährt man mit ihnen 25 Stundenkilometer. Das ist auch Wasser auf die Mühlen derer, die bereits für normale Fahrräder eine Kennzeichnungspflicht und regelmäßige TÜV-abnahmen fordern. Diskutiert wird auch, Helme, Warnwesten und einen Radführerschein zur Pflicht zu machen. Sinn würde das durchaus haben. Denn, was die meisten nicht wissen, bei krassen Fehlverhalten auf dem Fahrrad droht heute schon der Führerscheinentzug.

Wie verwerflich: Schnell und bequem (Pfui!)  in der Stadt (Pfui!) unterwegs zu sein, ohne die Umwelt zu schädigen, ohne Geld für Benzin auszugeben. Und das auch noch in Massen. Das gehört verboten! Und wenn die Radler_innen dann von Autofahrenden beim fehlerhaften Abbiegen umgekachelt werden, sind sie selbst schuld. Hätten sie (die Radler_innen wohlgemerkt) doch  eine Fahrerlaubnis gemacht und ein Kennzeichen getragen. Das hilft bestimmt. Nicht.


fahrerlaubnis haben

muss eine_r autofahren können müssen?

ich staune immer wieder über die unglaubliche selbstverständlichkeit, mit der viele menschen meinen, die fahrerlaubnis (für pkw) machen zu müssen bzw. zu wollen. ich verstehe es nicht. ich selbst hab das auch gemacht – mit 18, wie es eben üblich ist. und ich verstehe es heute nicht mehr. ich hab damals gar nicht infrage gestellt, ob ich die fahrerlaubnis wirklich brauche, wirklich will. zumal in berlin. es war der „normale“ lauf der dinge: alt genug sein -> geld geschenkt bekommen -> fahrerlaubnis machen. im rückblick eine enorme geld- und zeitverschwendung.

ich hab gerade eine_n erwachsene_n im bekanntenkreis, der/die sich quasi genötigt fühlt, mit rund 40 doch noch auto fahren zu lernen. die person quält sich zu jeder fahrstunde. die person hat angst vor jeder fahrt. sie will nicht auto fahren. sie leidet enorm… und zieht es dennoch durch. das seltsame argument, ein_r müsse doch auto fahren können – für den notfall… zumal mit kindern… das auto stünde doch vor der tür und dann, im notfall… – scheint übermächtig. traurig.

[hätt ich damals mal lieber den schreibmaschinenkurs gemacht, so im rückblick… ]