Bahn demontiert sich selbst

In der sonntaz wird der Direktor vom Zirkus Roncalli gefragt, was seine größte Sorge ist. Er antwortet:

Der Transport. Wir haben einen Sonderzug der Bahn gemietet, ganz umweltbewusst. Das macht sonst keiner mehr, weil es teuer ist. Seit die Bahn privatitisert worden ist, hat sie so ziemlich alle Verladerampen in Deutschland abgebaut. Deshalb müssen wir in ein, zwei Jahren auch auf die Autobahn.


DB-Fahrkartenbestellung für Fahrten ins Ausland

Diesen Herbst brauchte ich Fahrkarten um nach Olomouc/ Tschechien zu fahren. Über DB Fahrplanauskunft konnte ich mir die Verbindung raussuchen. Einen Fahrpreis bekam ich online nicht, sondern die Auskunft, dass es sich hier um einen „unbekannten Auslandstarif“ handele und ich eine Preisanfrage einleiten könne.

preisanfrage

So habe ich das veranlasst, habe mich zu der ausgewählten Zugverbindung eingeloggt und eine Preisanfrage abgeschickt.

preisermittlung

Ich bekam eine Buchungsbestätigung mit der ausgewählten Zugverbindung.

buchungsbestättigung

Und etwas später dann tatsächlich ein Angebot.

angebot

Dies musste ich telefonisch bestätigen, was ich gemacht habe. In der Annahme, dass dieses Angebot für die gewählte Verbindung die richtige Fahrkarte ist. Ein paar Tage später bekam ich die Tickets. Ohne Fahrzeiten, was mich etwas wunderte. Aber ich wusste ja, welche Verbindung ich angegeben hatte.

Auf der Hinfahrt schaute mich die Schaffnerin im Zug von Pardubice nach Olomouc etwas seltsam an, als ich mein Ticket zeigte. Sagte aber nichts. Und so kam ich gut an.

Anderthalb Tage vor der Rückfahrt schaute ich mir mein Ticket nochmal an. Da war keine Reservierung für den Zug von Olomouc nach Prag dabei. Die Online-Auskunft der DB sagte mir aber, dass der Zug, den ich gewählt hatte, reservierungspflichtig sei. Daher fragte ich per Email nach und bekam die Antwort, ja der Zug sei reservierungspflichtig, die DB könne die Reservierung nicht vornehmen und ich müsste das selber machen.

Leo

Ich hatte aber keine Zeit, diese Reservierung selber durchzuführen, da ich den ganzen Tag arbeiten musste. Auf eine weitere Email bekam ich keine Antwort. So entschloss ich mich, einen früheren Zug zu nehmen, um meinen Anschluss in Prag nicht zu verpassen. Der DB-Online-Auskunft entnahm ich einen früheren Zug, der nicht als reservierungspflichtig angegeben wurde. Ich plante um, dass ich diesen Zug erreichen könnte.

Als ich aber im Zug sass, teilte mir die Schaffnerin mit, dieser Zug sei nicht nur reservierungspflichtig, sondern ich bräuchte auch ein ganz anderes Ticket und solle am nächsten Bahnhof aussteigen. Dann hätte ich es an dem Tag nicht mehr nach Berlin geschafft und hätte am nächsten Tag nicht einen Vortrag dort halten können. Die Schaffnerin konnte glücklicherweise sehr gut Englisch (ich kann kein Tschechisch) und war sehr freundlich. Sie hat es mir dann doch möglich gemacht, weiter zu fahren. Ich musste nur ein neues Ticket kaufen (für das ich noch gerade genug Bargeld hatte, Kartenzahlung war nicht möglich). So bin ich gut in Berlin angekommen.

Dort habe ich mich dann bei der DB per Brief beschwert, das ungenutzte Ticket eingesandt und die Erstattung des Ticketpreises gefordert. Vor ein paar Tagen bekam ich dann eine Email zur Stornierung meines Tickets, das mit der Erstattungsgegbühr von 15 € erfolgen würde.

stornierung

Ich beschwerte mich sofort, dass ich nicht bereit sei ein Erstattungsentgelt zu zahlen, wenn der Fehler bei der DB liege. Zudem bat ich noch einmal darum, dass sie mir mitteilen sollen, wie ich die Online-Auskunft so benutzen kann, dass ich die richtige Fahrkarte bekomme. Auf eine Antwort warte ich noch.

Wenn ich wieder eine Fahrkarte für eine Fahrt außerhalb Deutschlands brauche, werde ich nicht wieder das DB-Angebot nutzen. Da gehe ich lieber zu spezialisierten Reisebüros (z.B. Gleisnost, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe).

Nachtrag am 19.11.13: Mehrmaliges Beschweren hat sich ausgezahlt. Das Erstattungsentgelt wurde mir nun auch erstattet. Eine Antwort darauf, wie mensch bei der DB die richtige Auslands-Fahrkarte kaufen kann, fehlt noch. Damit bleibe ich bei meiner Empfehlung für andere Fahrkartenverkaufende.


Öffentlichen Verkehr fördern

Im tagesschau.de-Interview sagt Verkehrsberaterin Maria Leenen:

In der Schweiz oder Großbritannien sind die öffentlichen Zuwendungen pro Personenkilometer mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Ich sehe daher auch die Politik in der Pflicht, ihre Bahn finanziell besser auszustatten. In der Ära Ramsauer wurde die verkehrspolitische Priorität auf Investitionen in die Straße gelegt. Dabei ist die Bahn und ihre Infrastruktur zu kurz gekommen. Auf der anderen Seite kann Ramsauer aber auch nicht mehr Geld ausgeben, als er über die Haushaltsbeschlüsse des Bundestages genehmigt bekommt. So trägt die parlamentarische Mehrheit im Parlament auch eine Verantwortung für den Kostendruck bei der Bahn, nicht allein Herr Grube, der zu spät auf Neueinstellungen gesetzt hat.

Das gilt wahrscheinlich auch für den kommunalen öffentlichen Verkehr, der mehr Förderung (auch durch den Bund) braucht. WDR berichtet: Kein Geld für Instandhaltungen.


Melkkühe?

Die taz meldet in einer Kurzmeldung, dass während die Kosten rund ums Auto zwischen 2002 und 2012 um 30% stiegen, im gleichen Zeitraum Bahnfahrkarten um 38% teurer wurden und ÖPNV-Preise um 42%. So viel zur Mähr, dass die armen Autofahrer* die Melkkühe der Nation seien.

*Bewusste Benutzung ausschliesslich der männlichen Form. Auto und Maskulinität scheint mir eng zusammenzuhängen.


WC unbenutzbar

In den letzten Wochen bin ich ziemlich viel Zug gefahren. Und habe jetzt einiges zu erzählen. Von den Fahrten, die störungsfrei verliessen, ist es natürlich nicht so spannend zu erzählen (gestern war so ein Tag, alles pünktlich und so, nur mal eine Wagontür nicht öffnenbar). Letzte Woche ging es um essentielle Bedürfnisse.

Morgens im Regionalzug nach Köln. Ich hatte mich extra in die Nähe der Toilette gesetzt. Aber:

WC unbenutzbar

So musste ich dann im Kölner Hauptbahnhof das McClean (oder so ähnlich nutzen). Schwer zu passierendes Gitter und 1 € Gebühr.

Am Abend dann auf dem Weg nach Berlin ähnliche Erfahrungen. Nur dass ICEs mehr Toiletten haben als Regionalzüge (die nur eine haben). Ich sass im letzten Wagen. Der hatte gar keine Toilette und stattdessen ein Dienstabteil. Im nächsten Wagen dann:

Beide Toiletten mit dem Aufkleber „WC unbenutzbar“

Also gehe ich noch einen Wagen weiter. Aber auch hier:

Beide Toiletten mit dem Aufkleber „WC unbenutzbar“

Also noch einen Wagen weiter. So bekommt mensch wenigstens bei der langen Zugfahrt auch etwas Bewegung. Da war dann die eine Toilette besetzt. Auf der anderen der bekannte Aufkleber. Aber die Tür liess sich öffnen. Und die Toilette benutzen.

An dem Tag hat sich die Bahn echt angestrengt, mir Spaß zu machen.


informationspolitik der db

Die anzeigentafel am bahnhof zeigt 30 minuten verspätung. Am service point können sie keine genauen angaben machen, welchen anschlusszug ich bekommen werde. Der mensch am schalter gibt per hand vermutliche abfahrtzeiten ein. Die smartphone app ist präziser und kommt auf einen anschluss eine halbe stunde früher. Inzwischen sitzen wir allerdings schon eine halbe stunde im zug ohne informationen. Gerade durchsage auf dem bahnsteig (im zug nicht zu hören) 60 minuten verspätung wegen leitungsschaden. Immerhin habe ich schon ein verspätungsformular am service pont mitgenommen.

PS: Viele viele Stunden später. Ich habe mit 3 1/2 Stunden Verspätung meinen Zielbahnhof erreicht. Das Ziel allerdings nicht, denn meine Gastgebenden sind schon im Bett und morgen muss ich los, bevor sie aufstehehn.

Die miserable Informationspolitik der DB ging in dem verspäteten Zug weiter. In sechs Stunden im Zug kam kein_e Schaffner_in vorbei (obwohl angekündigt worden war, dass wir bis Hannover alle unser Verspätungsformular bekommen würden).

Kurz vor dem Ausstieg suche ich nach Schaffner_innen. Und finde zwei, umlagert von Fahrgästen. Die beiden sind gerade erst zugestiegen. Mein Ticket wird abgestempelt.

Am Anfang gab es ein paar Ansagen darüber, warum wir immer weiter verspätet wurden. Aber es gab keine ordentliche Ansagen über den Verlauf des Zuges und die Anschlusszüge. Das unser Zug nur bis Wuppertal und nicht bis Köln fährt, bekam wer gut zugehört hat, nebenbei mit.

Am Bahnsteig wird das neue Ziel Wuppertal angezeigt. Und die Verspätung von mittlerweile 190 Minuten.

Die Smartphone app riet mir in Hamm in einen IC umzusteigen. Ich suchte ein_e Schaffnerin, bekam einen Stempel auf meine Karte und die Bestätigung, dass ich in Hamm umsteigen solle. Beim Weg zurück zu meinem Platz habe ich dann inoffiziell anderen gesagt, dass wohl nach Köln in Hamm umgestiegen werden müsse (ohne Gewähr).

Gespanntes Warten in Hamm, ob denn der Umstieg hier wirklich funktioniert.

Und tatsächlich hat in Hamm der Anschluss funktioniert und in dem IC war eine sehr freundliche und hilfsbereite Schaffnerin. Sie hat sogar telefonisch interveniert, als durchgesagt wurde, dass unser Zug in Dortmund den Lokführer_in auswechseln würde und 15 Minuten Verspätung bekommen würde (dann hätte ich meinen letzten möglichen Anschlusszug in Köln verpasst).

Gerade ist Bahnfahren anstrengend.


Zugfahren in der Ferienzeit

Ich hätte es mir denken können. An einem Sonntag in der Ferienzeit ist der ICE in den Süden mehr als voll. Von Hannover an sah es so aus.

Am Wagenende im ICE stehen die Leute dicht gepackt.

Immerhin war ich in der privilegierten Position, dass ich einen Sitzplatz am Eingang hatte. Meinen Plan zu arbeiten musste ich so auch nicht ganz aufgeben, zumindest lesen konnte ich. Und ab Frankfurt/Main habe ich dann sogar einen regulären Sitzplatz bekommen.

Am späteren Abend wollte ich dann von Freiburg nach Karlsruhe fahren. Ein Nachtzug, der normalerweise bis Mannheim zwei normale Wagen dran hat. Diesen Sonntag war es allerdings nur einer. Ich hatte Glück und kam in Freiburg trotzdem noch in den Wagen rein. Und bekam auch wieder einen Sitzplatz auf dem Boden.

Am Ende des Zuges, in einem ehemaligen Interregion-Wagen.

Meinen Bodenplatz musste ich allerdings beim nächsten Halt aufgeben. Ich zog mich ind die (glücklicherweise saubere) Toilette zurück und hatte wieder einen Sitzplatz! Neben mir stand eine Frau, draussen standen sie eng und mein Gepäck irgendwo dazwischen. Irgendwann hielten wir an. Es wirkte so, als ob wir ausserhalb des Karlsruher Bahnhofs hielten. Aber die ersten stiegen trotzdem aus. Ich dachte erst, das wäre Quatsch, bis ich kapierte, dass der Zug überwiegend tatsächlich im Bahnhof ist, nur wir ausserhalb des Bahnsteigs waren. Mit Hilfe der anderen wurde mein Gepäck ausgebuddelt und auf die Gleise runter gehievt.

Zugende jenseits des Bahnsteigs.

Der Bahnsteig ist mit den weißen Streifen zu Ende, dahinter sieht mensch unsere Tür.

Abenteuerliches Reisen mit der Bahn. Bei solchen Erlebnissen ist es schwierig, glaubwürdig für die Bahn zu werben.