Tödliche Rechtsabbiegende

Letzte Woche starb in Berlin wieder eine Radfaherin, weil ein LKW-Fahrender beim Rechtsabbiegen nicht auf Radfahrende geachtet hat. Die taz berlin berichtet über den konkreten Fall und die generelle Gefahr, die für Radfahrende von Rechtsabbiegenden ausgeht:

Dass das Abbiegen Unfallursache Nummer eins ist, bestätigt auch eine Statistik der Berliner Polizei. 2013 kam es zu insgesamt 1.387 Unfällen mit Fahrradfahrern, weil Autofahrer Fehler beim Abbiegen machten.

Die technische Ausrüstung für LKWs ist inzwischen so weit, dass sie keinen toten Winkel mehr haben:

Für mehr Umsicht im räumlichen Sinne sollte 2007 auch eine neue EU-Richtlinie sorgen. Die besagt, dass die Außenspiegel aller in der EU zugelassenen schweren Lkws nachgerüstet werden müssen. Damit sollte der sogenannte tote Winkel verringert werden. „Zumindest rein technisch sind damit alle Vorgänge vor, hinter und neben dem Fahrzeug einsehbar“, meint Zanke.

Da stellt sich mir die Frage, warum LKW-Fahrende das nicht nutzen. Es ist doch bestimmt auch für sie nicht nett, wenn sie Menschen umbringen. Warum sorgen sie da nicht vor? Als Radfahrende habe ich auf jeden Fall Angst vor LKWs und halte mich von ihnen fern. Da bleibe ich auch mal hinter ihnen stehen, obwohl es mein Recht wäre, an ihnen vorbei zu fahren.

Der taz berlin-Artikel schliesst an obiges Zitat an mit:

Berliner Polizei und ADFC sind sich einig: Das Problem sind fehlender gegenseitiger Respekt und die häufige Missachtung der Verkehrsregeln.

Grundsäztlich kann ich das mit dem fehlenden gegenseitigen Respekt und der Missachtung von Verkehrsregeln in Bezug auf Radfahrende schon verstehen. Häufig genug ärgere ich mich über Radfahrende, die sich sehr gefährlich verhalten und dabei auch andere gefährden. Beim Thema Rechtsabbiegende ist das aber nun nicht das Problem. Radfahrende werden da überfahren, wenn sie sich an die Regeln halten. Wieso Radfahrende respektvorller gegenüber LKWs sein sollten, erschliesst sich mir hier nicht.


Warschauer Strasse

Bisher war die Warschauer Strasse von der Warschauer Brücke bis zur Frankfurter Allee kein Spaß für Radfahrende. Zweispurige Strasse plus Parkstreifen, häufig parkende LKWS in zweiter Reihe, schneller und sich überholender Verkehr, keine Radspur, aber viele Radelnde. In die andere Richtung noch schlimmer, da gibt es ab und zu einen schmalen Radweg auf dem Fußweg und dann wieder runter in den Verkehr. Kein Spaß.

Das soll sich jetzt ändern, wie die taz berlin berichtete. Die Warschauer Strasse wird umgebaut. Auf der offiziellen Seite werden die Umbaumassnahmen berschrieben:

  • Die Radfahrer bekommen eine eigene Spur auf der Fahrbahn.
  • Die Gehwege einschließlich der Gehwegüberfahrten werden erneuert. Es werden Lieferzonen am Gehwegrand eingerichtet.
  • Die Fahrbahnflächen erhalten einen lärmmindernden Straßenbelag.
  • Im Kreuzungsbereich der Kopernikusstraße wird eine zusätzliche Querungsmöglichkeit über die Warschauer Straße hergestellt.
  • Es werden Absperrpoller sowie ca. 250 Fahrradbügel aufgestellt; davon 125 an der Warschauer Brücke auf einer neuen Bike&Ride-Fläche.

Das hört sich gut an.


Autopolitik für Reiche

Das Statistische Bundesamt hat zum Tag des Fahrades mitgeteilt:

30 % der Haushalte in großen Städten (ab 500 000 Einwohnern), aber nur 4 % der Haushalte in kleinen Gemeinden (bis 5 000 Einwohner) besaßen am Jahresanfang 2013 ausschließlich Fahrräder, also keine Autos oder Motorräder.

Wenn fast jeder dritte Haushalt in Großstädten nicht motorisiert ist, warum ist dann die Verkehrspolitik so auf Autos ausgerichtet? Könnte dann nicht (zumindest in Großstädten) ein knappes Drittel der Verkehrsfläche und der Verkehrsausgaben den Nicht-Motorisierten gewidmet werden?

Ein Blick in die detailierteren Statistiken kann Anhaltspunkte geben, warum Autopolitik vorherrscht. Tabelle 3, S.23 zeigt, dass der PKW-Besitz mit zunehmenden Einkommen steigt. Tabelle 7, S. 31 zeigt das Menschen, die in Wohneigentum leben, sehr viel mehr PKW besitzen als Menschen, die mieten. Tabelle 5, S. 27 zeigt, dass Männer und Paare mehr PKWs besitzen als Frauen und Alleinerziehende. Das heisst, der PKW-Besitz ist bei den Menschen höher, die über mehr wirtschaftliche (und politische) Macht verfügen. Und die wissen diese Macht für ihre Interessen zu nutzen. Jene, die über weniger wirtschaftliche Macht verfügen, verfügen in der Regel auch über weniger politische Macht und können ihre Interessen damit auch weniger durchsetzen.


Sternfahrt 2014

sternfahrt2014

Sternfahrt 2014 bei schönstem Wetter.


Ineffizient

Im taz-Interview sagt Wulf-Holger Arndt von der TU Berlin kurz, knapp und treffend:

Und ein eigenes Auto ist das ineffizienteste Verkehrsmittel überhaupt, und zwar egal, ob es steht oder fährt. Alle Alternativen dazu sind ökologischer.


Autofrei

Ich würde liebend gerne in einem autofreien Kiez wohnen. Meine Lebensqualität würde sich massiv steigern. Vermissen würde ich nichts. In meinem Kiez wird aber keine autofreie Zeit geplant (hier wird stattdessen eine Autobahn geplant). Aber laut taz überlegt der Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner einen autofreien Monat in einem Prenzelberger Kiez. Das stelle ich mir toll vor. Vorallem da die stillgelegten Autos auch nicht im Kiez parken dürften. Ruhe, Platz, wow. Aber statt Zustimmung gibt es Widerstand. Bevormundung wird angeprangert. Warum ist es eigentlich keine Bevormundung, wenn ich ständig dazu gezwungen werden, in einer autogerechten Stadt zu leben?


Hühnerbraterei

Am Lausitzer Platz gibt es eine Hühnerbraterei, die sehr sehr beliebt ist. Ganz viele kommen mit ihren Autos angefahren. Und müssen das natürlich abstellen. Und das muss schnell gehen. Wenn eine Parklücke frei ist, dann wird die zugeparkt.

Am Lausitzer Platz stellt sich ein Auto in den Kreuzungsbereich mitten auf Fuß- und Radweg.

Am Lausitzer Platz stellt sich ein Auto in den Kreuzungsbereich mitten auf Fuß- und Radweg.

Da ist dann auch egal, dass mit einem Auto (warum braucht mensch ein solch Riesengefährt eigentlich in der Stadt) ein vielbenutzer Fuß- und Radweg blockiert wird. Es ist auch egal, dass die Sicht auf die Kreuzung versperrt wird.

Vor der Hühnerbraterei kommen die parkenden und Parkplatzsuchenden Autos aber nicht nur ZuFußGehenden und Radfahrenden in den Weg. Sie blockieren sich auch gegenseitig.

Am Lausitzer Platz vor der Hühnerbraterei ist alles voll geparkt.

Am Lausitzer Platz vor der Hühnerbraterei ist alles voll geparkt.

Vor der Hühnerbraterei ist fast immer alles zugeparkt. Und meist mit dicken Autos. Eis essend konnte ich gestern nachmittag beobachten, dass damit die Straße blockiert ist. Denn die ist gerade mal zweispurig. Eine Spur wird von den Parkenden eingenommen. So können sich entgegegen kommende Autos nicht ausweichen. Während eines Eises habe ich viele Blockaden beobachten können. Die Radfahrenden und Fußgänger_innen haben veruscht sich durchzuschlägeln und wurden dabei dann durchaus mal von rasant rückwärtsfahrenden Autos gefährdet.