Der LKW-Fahrer und ich

Vor ein paar Tagen bin ich die Lohmühlenstrasse am Schlesischen Busch lang geradelt (auf der Straße und nicht wie die meisten Radfahrenden auf dem engen Fußweg). Hier ein Bild der Straße aus dem Sommer:

Lohmühlenstrasse am Schlesischen Busch

Ich fahre in die Richtung, in die auf dem Bild auch das Rad fährt. Die linke Seite der Straße ist komplett zugeparkt. Ich sehe wie ein LKW in die Straße auf mich zu reinfährt und das mit einer Geschwindigkeit, die der enge der Straße, dem Kopfsteinpflaster und dem Gegenverkehr (mir) in keiner Weise angemessen ist. Rechts von mir ist ein Bordstein und dahinter eine Absperrung. Ausweichen kann ich also nicht. Daher fahre ich weiter in die Mitte der Straße, um den LKW dazu zu zwingen abzubremsen und mich nicht zu gefährden. Der Fahrer gestikuliert mir, dass ich aus dem Weg soll.

Ich bleibe vor ihm stehen und auch er muss stehen bleiben. Ich gestikuliere, dass er das Fenster runter machen kann, damit ich mit ihm sprechen kann. Er weigert sich, macht eine abfällige Bewegung. So schreie ich ihn durch die Windschutzscheibe an, ob er die Straßenverkehrsordnung nicht kenne, dass er viel zu schnell auf mich zugefahren ist, etc. Er gibt mir zu verstehen, dass er meine Argumente für Blödsin hält. Irgendwann macht er doch das Fenster runter, will dass ich ihm Platz mache. Er behauptet, dass er gewußt hätte, dass wir beide anhalten würden müssen. So sah dass für mich gar nicht aus. Die Geschwindigkeit, die er hatte, wirkte auf mich als klares Zeichen, ich solle mich in Luft auflösen. Zudem kommen wir mit der Situation anhalten auch nicht weiter. Er kommt nicht an mir vorbei, ich nicht an ihm. Er kann nicht ausweichen, ich auch nicht, da links Autos und rechts die Absprerung ist. Er behauptet, dass er nicht hätte warten können, bevor er in die Straße eingefahren ist, da er dann die Kreuzung blockiert hätte (wenn ihm ein Auto entegegen gekommen wäre, hätte er natürlich gewartet). Auf den Vorwurf der überhöhten Geschwindigkeit reagiert er gar nicht. Dann behauptet er noch, dass doch genug Platz für uns beide wäre. Das kann ich gar nicht sehen, wenn er stehen bleiben würde, dann könnte ich mit Mühe vorbei schieben. Aber wenn er schnell fährt, würde ich mich auf dem Kopftsteinpflaster in erhebliche Gefahr begeben.

Der Fahrer eines geparkten Wagens mischt sich ein. Er will jetzt ausparken und wir sind im Weg. Ich sehe ein, dass ich nachgeben muss, da die Motorisierten in jeder Hinsicht (außer was die Argumente angeht) stärker sind. Nehme mein Fahrrad und hebe es über die Absperrung. Ein männlicher Teenager läuft vorbei und solidarisiert sich mit dem LKW-Fahrer, in dem er eine abfällige Bemerkung über mich macht.

Ich hasse es, wie mich die Motorisierten immer wieder gefährden, wie sie ihre Stärke ausspielen und mir meine Ohnmacht zeigen.

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One Comment on “Der LKW-Fahrer und ich”

  1. mazursky sagt:

    Deinen Ärger kann ich gut nachvollziehen!
    Das Verhalten des Teenagers belegt außerdem, wie weit eine stark verzerrte Wahrnehmung der Gegebenheiten im öffentlichen Raum verbreitet ist. Auch die wenigsten derer, die selbst nie oder nur als Mitfahrende mit Auto oder Lkw unterwegs sind, stellen die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs in Frage.
    Es wird sich z.B. über Gehwegradelnde furchtbar aufgeregt, aber wesentliche Ursachen für das Verhalten rücken nicht ansatzweise in Bewusstsein: Dass es v.a. bei kürzeren Strecken oft als zu mühselig und/oder zu gefährlich erscheinen kann, die Fahrbahn zu benutzen, weil überall tonnenschwere Maschinen teilw. rücksichtslos (s.o.) bewegt werden und, wo sie nicht bewegt werden, praktisch überall dichte Barrieren von geparkten Maschinen stehen, die erschweren oder sogar verhindern, auf die Fahrbahn zu kommen bzw. sie wieder zu verlassen. Die komplett zugeparkte linke Seite hat ja auch bei Deinem Erlebnis eine Rolle gespielt.
    Warum die Zulassung eines Motorfahrzeugs in Städten nicht an den Nachweis eines festen Stellplatzes gebunden wird, frage ich mich schon länger. Solche Stellplätze könnten auf dedizierte Straßen oder Plätze beschränkt werden und/oder kostenpflichtig sein. Wenn ich es wagte, mein Fahrrad einfach irgendwo am Fahrbahnrand abzustellen, bekäme ich bestimmt rasch erheblichen Stress (oder könnte mich bald nach einem neuen umsehen), aber bei Autos gilt das als völlig normal. Das wird sich auch ändern müssen.


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